Green IT: Ressourcenschonende, nachhaltige Cloud Computing-Lösungen in Unternehmen

Nachhaltigkeit steht im Zentrum gesellschaftlicher sowie politischer Diskussionen. Es wird zunehmend zur Pflicht für Unternehmen sich mit ressourcenschonenden Geschäftsmodellen auseinander zu setzen – sei es aufgrund von Forderungen innerhalb von Lieferketten, moralischen Überlegungen, Wettbewerbsdifferenzierung oder auch absehbaren regulatorischen Auflagen und Gesetzen. Das geschieht mitunter auch vor dem Hintergrund einer neuen Regierung in Deutschland1 oder des 2019 verabschiedeten Green Deal der EU2. Daraus leitet sich für die Wirtschaft ab, dass die CO2-Bilanz von Unternehmen ein immer wichtigerer Wettbewerbsfaktor am Markt ist. Das Interesse „grün zu werden“, steht daher stärker denn je zentral im Fokus.

Neben der Ausstattung der Arbeitsplätze oder den unternehmenseigenen Infrastrukturen trägt auch das Internet mitunter durch den teilweise unsauberen Energieverbrauch enorm zu den CO2-Emissionen bei3. Viele Unternehmen haben genau diese Herausforderung bemerkt und verfolgen daher die Intension, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und klimafreundlich oder gar klimaneutral zu wirtschaften.

Lokale On-Premise-Server sind weniger nachhaltig

Ausgerechnet der Einsatz lokaler (on-premise) Server zum Verwalten und Analysieren von Daten erhöht die CO2-Emissionen erheblich. Dabei kann man beobachten, dass viele lokale  Server, ausgelegt auf den PUE-Wert (Power Usage Effectiveness), selten voll ausgelastet sind und viel Energie verbrauchen. Der PUE-Wert gibt an, wie effektiv die zugeführte Energie in einem Rechenzentrum verbraucht wird4. Denn der Energieverbrauch eines Servers wird nicht nur durch seine Auslastung bestimmt, sondern ganz wesentlich auch durch seinen Betrieb und die damit verbundenen Betriebsverfahren. Wer viele Server besitzt, diese aber nicht voll umfassend nutzen kann, verbraucht mehr Energie als eigentlich notwendig wäre5.

Denn IT-Infrastrukturen (u. a. Netzwerkkomponenten, Storage oder Server) benötigen sowohl Strom für den Betrieb als auch für die Abführung der beim Betrieb entstehenden Abwärme in Form von Lüftung und Kühlung. Außerdem reagieren Server empfindlich auf Temperaturschwankungen, was eine Klimatisierung mit hohem Energieverbrauch unumgänglich macht. Weiterhin findet man immer wieder energieintensive Verfahren (z. B. beim Brandschutz), die mittlerweile nur noch bedingt zukunftsfähig sind. Zusammenfassend kann man feststellen, dass IT-Infrastrukturen enorme Mengen an Ausrüstung sowie kontinuierliche Stromversorgung und Kühlung erfordern, um ein einzelnes Unternehmen mit IT-Services zu versorgen. Dieser Energie- und Ausrüstungsaufwand bindet Kapital und es ist fraglich, ob diese Form der Leistungserbringung wirtschaftlich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit ist.

Energie sparen mit Cloud Services

Cloud Computing kann bei der Veränderung des eigenen CO2-Footprint unterstützen. In einer Studie der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit dem deutschen Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit sowie dem österreichischen Umweltbundesamt wird aufgezeigt, wie Unternehmen durch eine geeignete digitale Infrastruktur, umweltfreundlichen und effizienten Cloud-Diensten sowie energieeffizienten Rechenzentren ressourcenschonender wirtschaften können. In der Studie wird auch diskutiert, wie die Förderung des Einsatzes nativer Cloud-Optimierungstools für das Cloud Computing zur Nachhaltigkeit beitragen. Durch die Migration in eine öffentliche Cloud, welche nicht durch das Unternehmen, sondern einen Service-Dienstleister betrieben wird, bieten sich eine Reihe von Potentialen.

Zum Beispiel ein Zugewinn an Flexibilität und Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Kostenreduktion für Energie, Wartung sowie Flächenverbrauch. Cloud Datacenter bieten aufgrund ihrer Größenvorteile (Economies of Scale) eine effizientere Nutzung der eingesetzten Ressourcen. Es werden also nicht nur weniger Server verwendet, sondern diese auch effizienter betrieben, was insbesondere die Möglichkeit bietet, den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens zu verringern, ohne auf Leistungen verzichten zu müssen. Das bedeutet, es werden Serverkapazitäten je nach Workload und Anwendungsfall des Unternehmens ausgewählt, zugewiesen und genutzt sowie unterschieden nach Datenverarbeitung, Speicher, Datenbank und Netzwerkanbindung6.

Unternehmen, die mit Cloud-Dienstleistern wie IBM oder Google kooperieren, eröffnen sich das Potential eigene Ressourcen einzusparen und effektiver zu arbeiten. Darüber hinaus ist „Green IT“ für Unternehmen auch nicht-monetär ein Vorteil, da dies dem Branding der eigenen Marke inbesondere in der aktuellen Zeit zuträglich ist und hilft das eigene Geschäftsmodell zukunftssicherer zu machen7.

Um einen besseren Überblick zu geben, werden im folgenden die Vorteile von Cloud Computing im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit grafisch dargestellt.

Auszug – Cloud Computing Vorteile im Rahmen von Green IT
Quelle: Kyndryl (2021)

Green Cloud Computing für die Zukunft

Die Cloud und das damit verbundene Betriebsmodell verändert die IT-Branche in vielerlei Hinsicht. Aus unserer täglichen Arbeit mit unterschiedlichsten Kunden und den damit verbundenen Erfahrungen kann man sagen, dass einerseits das Potential der IT auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen weder vollständig identifiziert, adressiert oder gar realisiert ist. Ein erster Schritt hin zu einem umweltverträglichen Unternehmen könnte aber in der Nutzung von Cloud-Dienstleisten liegen. Insbesondere wenn diese dem Thema Nachhaltigkeit Priorität einräumen und beispielsweise transparent darstellen, welche CO2-Belastung die Erbringung der IT-Services bedeutet. Das umfasst Anbieter, die unter anderem erneuerbare Energiequellen nutzen, energieeffiziente Hard- und Software für Rechenzentren entwickeln, energieeffiziente Beleuchtung und Stromversorgung in Gebäude integrieren oder intelligente Kühlsysteme zur Abfallvermeidung entwickeln. Man sieht somit in der Nutzung von Cloud Computing erhebliches Potential, das sich positiv auf die Jahresbilanz, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Veränderungen und auch auf die Umwelt auswirkt8.

Globale Cloud Service-Dienstleister, wie auch Kyndryl, teilen sich die Verantwortung, ihre Kunden auf ihrem Weg hin zu einer umweltfreundlicheren Cloud zu unterstützen, indem sie möglichst nachhaltige Systeme auswählen, die zur Workload passenden Fähigkeiten bereitstellen und Cloud-Transformationsinitiativen in Unternehmen beschleunigen. So können die identifizierten Mehrwerte früher realisiert werden. Darüber hinaus hat Kyndryl im Bereich der energieeffizienten CO2-Optimierung von Rechenzentren – insbesondere der nachhaltigen Nutzung der von den Servern erzeugten Abwärme – schon einige Kundenprojekte erfolgreich durchgeführt. Kyndryl unterstützt als unabhängiger Technologiepartner in allen Schritten der Beratung, Implementierung sowie des Betriebs von ganzheitlichen, energieeffizienten und nachhaltigen Lösungen im Kontext des IT Infrastrukturmanagements sowie des Green Cloud Computing.

Quellen:

1 Tagesschau.de (2021): Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP. Verfügbar unter: https://www.tagesschau.de/koalitionsvertrag-147.pdf. [Besucht am 06.12.2021]

2 Europäische Kommission (2019): Mitteilung der Kommission an das europäische Parlament, den europäischen Rat, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/european-green-deal-communication_de.pdf. [Besucht am 06.12.2021]

3 ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen (2021): Energiebedarf und Digitalisierung. Verfügbar unter: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/energiebedarf-und-digitalisierung-100.html. [Besucht am 06.12.2021]

4 The Green Grid (2014): PUE: A comprehensive examination of the metric. Verfügbar unter: https://www.thegreengrid.org/en/resources/library-and-tools/20-PUE%3A-A-Comprehensive-Examination-of-the-Metric [Besucht am 06.12.2021]

5 Technogroup IT-Service GmbH (2021): Studie zeigt: Mehr Optimierungs-Potential in der IT als vermutet. Verfügbar unter: https://www.technogroup.com/studie-zeigt-mehr-optimierungs-potential-in-der-it-als-vermutet/. [Besucht am 06.12.2021]

6 und 8 Montevecchi, F., Stickler, T., Hintemann, R., Hinterholzer, S. (2020). Energy-efficient Cloud Computing Technologies and Policies for an Eco-friendly Cloud Market. Final Study Report. Vienna. Verfügbar unter: https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/bf276684-32bd-11eb-b27b-01aa75ed71a1/language-en/format-PDF/source-183168542. [Besucht am 06.12.2021]

7 Deloitte (2021): Verantwortung als Chance: das Transformationsthema Sustainability. Verfügbar unter: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/risk/articles/sustainability-transformation.html. [Besucht am 06.12.2021]

Leonie Hermann
Leonie Hermann

Leonie Hermann arbeitet als IT Consultant im Bereich Cloud Advisory bei Kyndryl Deutschland. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Themen Cloud Migration, Cloud Infrastructure sowie Hybrid- und Multi-Cloud. In Kundenprojekten liegt ihr Fokus mitunter auf den Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, um den Kunden dabei zu unterstützen digital, nachhaltig sowie wirtschaftlich zu handeln.