CIOKurator.News #31: Outsourcing-Trends, Smart Factory, Industrie 4.0 und mehr

Zur Einstimmung in das Pfingstwochenende versorgen wir Sie wieder mit dem Wichtigsten aus der IT-Welt. Wir starten mit dem Thema Outsourcing mit einer Einschätzung, bei welchen Themen das mehr Sinn macht. Lünendonk hat seine bekannte Liste der IT-Dienstleister veröffentlicht. Kyndryl ist logischerweise erstmals dabei und wird bei den IT-Service-Unternehmen auf Platz 4 in Deutschland geführt.

Während sich in Hannover das Who ist Who der Industrie die Hand gibt, stellen wir uns die Frage “Wie digital sind wir in Deutschland eigentlich?” Und ist diese digitale Umgebung ausreichend vor Cyberangriffen geschützt? Zu Letzterem spricht unser Kollege Dominik Bredel im aktuellen “heise meets … Der Entscheider-Talk” – Podcast. Reinhören lohnt sich!

Weitere Themen diese Woche: Wie verhält sich Russland mit dem Rücken zur Wand? Stehen Hackerangriffe aus Russland auf unsere kritische Infrastruktur bevor? Microsoft pusht Multi-Faktor-Authentifizierung – Nervig oder sehr sicher? Exponierte MySQL Server und ein globaler Blick auf den Markt für Rechenzentren.

Happy Pride Month.

Was „Service Integration and Management“(SIAM) leisten kann –und wie Sie die neue Schlüsselfunktion aufbauen

Multi-Sourcing ist für viele Unternehmen inzwischen eine Notwendigkeit. Doch mehrere IT-Dienstleister lassen sich nicht nebenbei steuern –jedenfalls nicht auf effiziente Weise. Eine SIAM-Funktion (Service Integration and Management) ist daher der neue Schlüssel zum Erfolg von IT-Organisationen.

In diesem Leitfaden lesen Sie, wie die SIAM-Funktion aufgebaut ist und welche Aufgaben sie übernimmt. Zudem lernen Sie die vier Etappen der SIAM-Roadmap kennen.

Inhalt:

  1. Ist-Zustand: Multi-Sourcing führt zu Multi-Schnittstellen
  2. Die Folgen: Überlastung, zunehmende Service-Probleme und Eskalation
  3. Gesucht: Ein strukturelles Konzept für die Multi-Provider-IT-Umgebung
  4. Die Lösung heißt SIAM: Service Integration and Management
  5. Die wichtigsten Aufgaben der SIAM-Funktion
  6. Projekt-Start: Am Anfang viele Fragen
  7. Arbeitsfelder und Arbeitspakete
  8. SIAM-Roadmap: In vier Etappen zur Service-Integration
  9. Die Ergebnisse der Etappen
  10. Fazit: Individuelle Anforderungen – individuelle Lösungen

1. Ist-Zustand: Multi-Sourcing führt zu Multi-Schnittstellen

Immer mehr Unternehmen setzen auf Multi-Sourcing: Outsourcing an mehrere IT-Serviceprovider. Dafür gibt es gute Gründe. Doch der Auftraggeber muss beim Multi-Sourcing verschiedene Dienstleister steuern und überwachen. Mit jedem neuen Provider steigt die Zahl der Schnittstellen – organisatorisch, technisch und prozessual.

Die Multi-Provider-Steuerung wird gegenwärtig zur Kernkompetenz in der IT. Jedoch haben viele Unternehmen daraus noch nicht den Schluss gezogen, die Aufgaben systematisch zu strukturieren und eine entsprechende Funktionsebene einzuziehen. Stattdessen wird improvisiert – mit negativen Folgen für die Leistungsfähigkeit der gesamten IT.

2. Die Folgen: Überlastung, zunehmende Service-Probleme und Eskalation

Die internen Fachleute, die die Steuerung der Dienstleister zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben übernehmen, stoßen inzwischen in vielen Unternehmen an ihre Grenzen. Ihnen weitere Mitarbeiter zur Seite zu stellen, kostet viel Geld, löst aber das grundsätzliche Problem nicht. Denn es liegt nicht nur an der Menge der Aufgaben.

Solange die Komplexität nicht strukturell bewältigt wird, wächst die Belastung mit jeden neuen Provider weiter. Probleme mit den Services häufen sich. Die gesamte Organisation leidet. Mit zunehmendem Stress eskaliert die Situation. Die Dienstleister schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Die IT-Organisation des Auftraggebers droht mit Vertragsstrafen. Doch die Leistungen bleiben ungenügend.

3. Gesucht: Ein strukturelles Konzept für die Multi-Provider-IT-Umgebung

Die IT-Verantwortlichen müssen sich schließlich auf die Suche nach einer grundlegend neuen Lösung machen. Sie erkennen: Es braucht eine gut durchdachte Konzeption für die Multi-Provider-IT-Umgebung – die strukturierte Steuerungsfunktion durch Service-Integration ist ein Schlüssel für den Erfolg moderner IT-Organisationen.

Doch worauf kommt es bei der Service-Integrations-Funktion an? Und wie sieht der Weg zur Etablierung dieser neuen Kernfunktion aus?

4. Die Lösung heißt SIAM: Service Integration and Management

Unternehmen, die die Herausforderungen der Multi-Providersteuerung erkannt haben und sich ihnen stellen, setzen auf den Aufbau und die Stärkung einer SIAM-Funktion. SIAM steht für „Service Integration and Management“ und ist die Verbindung zwischen interner IT und den Dienstleistern.

Das Ergebnis ist ein Ökosystem mit drei Schichten:

  1. Die interne IT-Organisation deckt die Strategieebene ab: Dies umfasst beispielsweise Kundenmanagement, Serviceportfolio, Programmmanagement, Unternehmensarchitektur.

    Entscheidungshoheit, strategische Aufgaben sowie die Leitung und Kontrolle des Service-Integrators bleiben bei der internen IT.
  2. Der Service-Integrator deckt die Integrationsebene ab: Hierzu zählen unter anderem Lieferantenmanagement und -koordination, „Ende-zu-Ende“-Berichterstattung und kontinuierliche Verbesserung. Typischerweise fokussiert die SIAM-Funktion sich auf operative und ausgewählte taktische Service-Integration-Aufgaben.

    Die Service Integrator Rolle kann intern aufgebaut und ausgeführt oder an einen externen Service Provider vergeben werden. Auch Mischformen kommen vor.
  3. Mehrere Service Provider decken die Schicht der Leistungserbringung (Delivery) ab: Beispielsweise Anwendungsentwicklung und -support, Netzwerkdienste und Hosting.

5. Die wichtigsten Aufgaben der SIAM-Funktion

Je mehr IT-Service-Provider eingebunden werden, desto größer ist die Notwendigkeit, eine SIAM-Funktion aufzubauen und zu beherrschen. Ein Überblick über die Aufgaben der Funktion macht das deutlich:

  • Service-Provider operativ steuern
  • Qualität der gelieferten IT-Services transparent machen
  • Operative Governance-Meetings mit den Service-Providern leiten
  • Service-Provider in den Governance Meetings der internen IT vertreten
  • Bei Störungen im SIAM-System die schnellstmögliche Wiederherstellung koordinieren
  • Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienstleistern fördern
  • End-to-End-Services bereitstellen
  • Bestmögliche Wertschöpfung durch die Dienstleister sicherstellen

6. Projekt-Start: Am Anfang viele Fragen

Es ist wichtig, frühzeitig in der Konzeption den angemessenen Schnitt von Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen interner IT, der SIAM-Funktion und den Service-Providern zu finden. Zu Beginn des Projektes gilt es daher, erst einmal eine Vielzahl von Fragen in den Raum zu stellen. Dadurch wird schnell klar, dass der Aufbau einer Service-Integrator-Funktion ein mehrdimensionales Unterfangen ist:

  • Welche Services von welchen Service-Providern sollen durch die Service-Integrations-Funktion gesteuert werden und wann und in welchem Umfang sollen sie Teil des SIAM-Projektes sein?
  • Wie sollen die Service-Management-Werkzeuge der internen IT-Organisation mit dem Werkzeug der IT-Service-Provider verbunden werden?
  • Welches Werkzeug nutzt die Service-Integrator-Funktion selbst?
  • Welche Service Management Tools sollen auf welche Art und Weise integriert werden?
  • Welche Informationen müssen innerhalb des Ökosystems übertragen werden, um die bestmögliche Steuerung zu ermöglichen?
  • Wie kann eine Kultur der Zusammenarbeit etabliert und die Organisation auf eine integrierte Servicebereitstellung ausrichtet werden?
  • Wie können die Service-Management-Prozesse der beteiligten Unternehmen jeweils als übergreifende Prozesse aufgesetzt und operationalisiert werden, damit Rollen und Verantwortlichkeiten klar zugewiesen sind?
  • Sollen operative SIAM-Aufgaben durch eine interne Funktion abgedeckt werden oder soll ein externer Service Integrator beauftragt werden?
  • Was ist bei den Service-Provider-Verträgen zu beachten?
  • Was ist das geeignete Governance-Modell (Zusammenarbeitsstruktur) für das Multi-Sourcing-Ökosystem?

Diesen Fragen müssen sich die IT-Organisationen stellen und festlegen, wie sie ihre Service Integration aufbauen wollen.  In jedem der Bereiche sind Vorgaben und Standards zu definieren. Werden all diese Dimensionen schon von Anfang an berücksichtigt und die entsprechenden Wissensträger eingebunden, hat das Projekt gut Aussichten auf Erfolg.

7. Arbeitsfelder und Arbeitspakete

Im Allgemeinen entstehen aus der Beschäftigung mit den oben genannten Fragen folgende Arbeitsfelder, die als Arbeitspakete aufgesetzt werden können:

  1. Service-Portfolio
  2. Provider-Verträge
  3. ITSM Tools & Integration
  4. End-to-End Service Management
  5. Organisations-Modell
  6. Governance-Modell
  7. Reporting & Dashboarding

8. SIAM-Roadmap: In vier Etappen zur Service-Integration

In dem sehr empfehlenswerten Buch „SIAM Foundation Body of Knowledge“ beschreiben die Autorinnen und Autoren die typischen vier Etappen bei der Einführung der SIAM-Funktion.

  1. Untersuchung und Strategie (Discovery & Strategy)
    Initiierung des SIAM Transformationsprojekts, Formulierung der Schlüsselstrategien unter der Berücksichtigung der Ist-Situation
  2. Planung und Entwicklung (Plan & Build)
    Design für SIAM vervollständigt und die Planung für die Transformation
  3. Implementieren (Implement)
    Übergang vom aktuellen „as-is“-Zustand zum „to-be“-SIAM-Modell
  4. Betrieb und Anpassung (Run & Improve)
    Betrieb des SIAM-Modells, tägliche Servicebereitstellung, Prozesse, Teams und Tools sowie kontinuierliche Verbesserung

Die Etappen sind iterativ: Beispielsweise stehen die Ergebnisse der ersten Etappe in Etappe 2 auf dem Prüfstand und können auf Basis der Erkenntnisse dieser Etappe angepasst werden.

9. Die Ergebnisse der Etappen

Vertiefen wir die oben vorgestellten Schritte. Welche Ergebnisse sollten in den einzelnen Etappen mindestens erzielt werden?

  1. Untersuchung und Strategie (Discovery & Strategy)
    • SIAM-Projekt ist aufgesetzt
    • Strategische Ziele sind definiert
    • Governance-Anforderungen und übergeordnetes SIAM-Governance-Framework sind beschrieben
    • Prinzipien und Richtlinien für Rollen und Verantwortlichkeiten sind definiert
    • Karte bestehender IT-Services und Service-Provider liegt vor
    • Aktueller Reife- und Leistungsgrad ist geklärt
    • SIAM-Strategie ist aufgeschrieben
    • Ein erster Entwurf des SIAM-Modells liegt vor
  2. Planung und Entwicklung (Plan & Build)
    • Vollständiges Design des SIAM-Modells ist erstellt – es umfasst:
      1. Services, Service-Gruppen und Service-Provider („Service-Modell“)
      2. Ausgewählte SIAM-Struktur
      3. Prozessmodelle
      4. Rollen und Verantwortlichkeiten
      5. Governance-Modell
      6. Performancemanagement und Reporting Struktur
      7. Kooperationsmodell
      8. Werkzeugstrategie
      9. Kontinuierlicher Verbesserungsrahmen
    • Organisatorische Change-Management-Aktivitäten sind definiert
    • Service-Provider für die Service-Integrator-Funktion ist ausgewählt (oder interne Mitarbeitende sind dafür abgestellt)
    • Weitere Service Provider sind ausgewählt
  3. Implementieren (Implement)
    • Das neue operative SIAM-Modell steht und wird durch entsprechende Verträge und Vereinbarungen unterstützt.
  4. Betrieb und Anpassung (Run & Improve)
    • Die SIAM-Funktion erfüllt ihre oben beschriebenen Aufgaben. Der laufende Betrieb des bringt Berichte, Servicedaten und Prozessdaten hervor. Die Informationen werden zur Weiterentwicklung und kontinuierlichen Verbesserung verwendet.

10. Fazit: Individuelle Anforderungen – individuelle Lösungen

Die Anforderungen – und die Möglichkeiten – der Unternehmen unterscheiden sich stark. Daher gibt es für den systematischen Aufbau eines Multi-Sourcing-Ökosystems mit Service-Integrations-Funktion keine „One-Size-Fits-All“-Lösung.

So entscheiden sich manche Unternehmen die Service-Integration als neue Schlüsselfunktion und Kernkompetenz intern aufzubauen. Andere verzichten darauf. Entweder, weil ihnen die Kapazitäten fehlen und sie aufgrund des Fachkräftemangels auch keine Möglichkeit sehen, das zu ändern. Oder, weil die interne IT grundsätzlich das maximale Set an operationalen Aufgaben vergeben und nur als höchste Entscheidungsinstanz involviert werden will.

Jedes Unternehmen muss den für sich passenden Ansatz finden. Entscheidend ist, überhaupt zu dem Schluss zu kommen, dass die Service-Integration systematisch aufgesetzt werden muss, um dauerhaft zufriedenstellende IT-Leistungen von den Providern zu erhalten.

Sie fragen sich, ob es auch für Sie Zeit ist, eine SIAM-Funktion aufzubauen? Nehmen Sie Kontakt zu den Autoren auf.

Frank Deleiter und Jens Wegener, Strategieberater bei Kyndryl Deutschland

Frank Deleiter
Frank Deleiter

Frank Deleiter ist Strategieberater bei Kyndryl Deutschland.

Jens Wegener
Jens Wegener

Jens Wegener ist Strategieberater bei Knydryl Deutschland.

Drei Beispiele zeigen: Unsere Unternehmens-IT ist sensibel und wir müssen handeln

Der Jahreswechsel ist die Zeit der Reflexion, auch in Sachen Unternehmens-IT. Und obwohl ich bewusst beruflich eine Auszeit genommen habe, haben mich doch einige Ereignisse, Trends und Nachrichten beschäftigt. Im Dezember war es die durch Log4j verursachte Sicherheitslücke, die noch dramatische Folgen haben kann, denn wir wissen nicht, in welchen Systemen derzeit unbemerkt Trojaner schlummern. Die Bedrohung für die Unternehmens-IT durch Log4j und damit verbundene Erpressungsversuche sind also bei weitem nicht vorbei und Unternehmen sollten sich weiterhin die Ratschläge von Domink Bredel zu Herzen nehmen (und zur Sicherheit immer noch ein Backup vor dem 1. Dezember 2021 vorhalten).

An Log4j ist nicht Open Source schuld

Diese Lücke wurde auch benutzt, um gegen Open-Source-Lösungen zu argumentieren und denen das Gerüchle anzuheften, diese seien nicht so sicher. Dabei sollte man doch wissen: Es gab und gibt genug Sicherheitslücken in proprietärer, geschlossener Software. Ist der Code offen, können zumindest theoretisch mehr Entwickler hinein schauen und Fehler beseitigen. Klar wurde durch Log4j natürlich, dass auch Open-Source-Lösungen nicht fehlerfrei sind und auch nicht sein werden. Ist dann entsprechender Code weit verbreitet wie im Falle Log4j, kann es eben entsprechende Auswirkungen haben, die in der Regel hoffentlich nicht so dramatisch sein werden.

Dass Software-Fehler leider- ich muss es so schreiben – zum traurigen IT-Alltag und damit zu unserer aller Alltag gehören, hat dann einmal wieder der Fehler in Microsoft Exchange zum Jahreswechsel demonstriert. Y2K22-Bug stoppt Exchange-Mailzustellung: Antimalware-Engine stolpert über 2022, titelt heise online. Einige Versionen des Exchange-Servers (2016 und 2019) lieferten zu Beginn des Jahres die E-Mails nicht aus, da ein falsches Datumsformat im integrierten Schadsoftware-Scanner nicht verarbeitet werden konnte. Der Fehler ist behoben, jedoch haben manche Server noch Schluckauf und es wird eine Weile dauern, bis sie alle E-Mails verdaut, sprich verschickt haben werden. Einmal mehr ein Indiz dafür, dass Systeme anfällig sind und wir von ihnen abhängen.

Ausfall von AWS legt nicht nur Disney+ und Netflix lahm

Gar nicht so sehr auf dem Radar hatte ich den Ausfall der Amazon Web Services Anfang Dezember 2021, von dem viele Unternehmen an der Ostküste der USA betroffen waren. Jedoch zeigt diese Störung exemplarisch, wie sehr Privatpersonen und Unternehmen von „der Cloud“, in diesem Falle dem Marktführer AWS abhängig sind. Plötzlich funktionierten Disney+, Netflix und die Geräte im Smart Home nicht mehr.

Doch wir befassen uns hier ja mit der Unternehmens-IT und dort mussten Firmen und Behörden feststellen, dass auch sie abhängig sind, selbst wenn sie glaubten, keine Verträge mit Amazon zu haben. Doch plötzlich liefen Trello oder Slack nicht mehr, eben weil diese Lösungen die Amazon Web Services nutzen.

Apropos Abhängigkeit von „der Cloud“: Meistens ist es eben nicht mehr eine Cloud, die Unternehmen nutzen.Wenn wir die Microsoft Office-Produkte im Einsatz haben, Trello oder Slack nutzen, auf SAP S/4 Hana migrieren oder andere Lösungen von HR bis zu den Lieferketten nutzen, haben wir als Unternehmen automatisch verschiedene Cloud-Anbieter im Einsatz, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wahrgenommen wird. Die Multi-Cloud ist heute meist schon Realität. Davon werden auch Unternehmen alleine aus Kostengründen nicht wegkommen. Einen Weg komplett zurück ins eigene Rechenzentrum ist wohl nicht mehr möglich. Stattdessen wird es eben die hybride Cloud-Welt geben, in der verschiedene Cloud-Anbieter sowie die Private Cloud im eigenen Data Center genutzt werden.

Herausforderungen für die Unternehmens-IT: Multi-Cloud, S/4 Hana, Cybersecurity

Alle beschriebenen Vorfälle zeigen, wie sensibel unsere kritischen IT-Infrastrukturen sind, wie schnell und konsequent wir oft reagieren müssen und wie viel Expertise wir beim Aufbau und vor allem dem laufenden Betrieb und dem Management der eigenen Unternehmens-IT benötigen. Cybersecurity ist vielleicht das Thema für 2022, der Aufbau und das Management einer hybriden Multi-Cloud bleibt neben der Migration auf SAP S/4 Hana, die bei vielen Unternehmen ansteht, auf der Agenda. Unternehmen werden sich darüber Gedanken machen müssen, wie sie in der Cloud-Welt möglichst unabhängig bleiben, Lösungen potentiell von einer Cloud in eine andere verschiebbar machen können. Sie werden sich damit befassen müssen, wie wichtig ihnen Ausfallsicherheit ist und was sie dafür bereit sind zu zahlen. Werden sie wirklich das Geld bereit stellen, um die kritischen Systeme in zwei oder gar drei Availability Zone zu betreiben?

Das alles sind besondere Herausforderungen in Zeiten, in denen IT-Fachleute krampfhaft gesucht werden, vom Sicherheitsexpertinnen und -experten bis zur Fachfrau und dem Fachmann für SAP. Ich wage die Prognose, dass Unternehmen und die Verwaltung externe Kompetenz und Partner ebenso benötigen, wie sie über neue Konzepte nachdenken sollten, um Kompetenz zu bündeln und gemeinsam zu nutzen, beispielsweise im Bereich Cybersecurity. Und die Fragen und Herausforderungen können nicht auf die lange Bank geschoben werden. Das haben die beschriebenen Vorfälle gezeigt.

Bild von Schäferle auf Pixabay

Stefan Pfeiffer
Stefan Pfeiffer

… arbeitet in Communications bei Kyndryl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die ihn leidenschaftlich bewegen.
Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

Kyndryl: Startup mit über 10.000 Jahren IT-Erfahrung als Partner der deutschen Wirtschaft und Verwaltung

Heute ist ein besonderer Tag für Kyndryl: Seit dem gestrigen Abend ist das Unternehmen selbständig und unter dem Ticker-Symbol KD am New York Stock Exchange gelistet. Dies ist ein Meilenstein in der noch kurzen Geschichte von Kyndryl. Es ist unser Independence Day, um den Titel eines bekannten Films aufzugreifen.

Auch für mich persönlich ist der Tag besonders, denn nun werde ich die Kyndryl Deutschland GmbH mit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Zukunft führen. Und für diese Zukunft haben wir uns viel vorgenommen. Als unabhängiges Unternehmen werden wir nun freier agieren, neue Allianzen und Partnerschaften eingehen, um so unseren Kunden die besten IT-Lösungen und -Services anzubieten, damit die sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren können, damit sie die notwendigen Transformationen angehen können.

Wir als Kyndryl stellen dazu sicher, dass die kritische Infrastruktur unserer Kunden hoch-zuverlässig, redundant, flexibel mit moderner Technologie betrieben wird. Wie wir gerade in der Pandemie gelernt haben, ist das ist sehr wichtig. Je nach Bedarf können unsere Kunden ihre IT-Kapazitäten nach oben oder nach unten fahren. Wenn weniger Flugzeuge abheben, braucht es weniger Kapazität. Wenn es Bearbeitungsspitzen zum Beispiel in der Lieferkette gibt, fahren wir IT-Services für unsere Kunden nach oben. Genau das hilft unseren Kunden, agil auf die Marktbedürfnisse zu reagieren. Unternehmen (und öffentliche Verwaltungen) müssen heute in der Lage sein, schnell auf Veränderungen in ihrem Geschäft zu reagieren und wir sind dafür der zuverlässige Partner.

Partner für kritische IT-Infrastruktur

Kritische Infrastruktur ist ein großer Begriff. Lassen Sie mich konkreter werden. Oft nicht nach außen sichtbar leisten wir einen essenziellen Beitrag, um die Systeme zu betreiben, die die Welt am Laufen zu halten. Flüge heben nicht ab, Züge fahren nicht und Geldautomaten funktionieren nicht, wenn wir nicht einen sicheren und stabilen IT-Betrieb gewährleisten.. Wir unterstützen Logistik und Lieferketten für wichtige Industrien, beispielsweise Automobilhersteller, Transportunternehmen aber auch Krankenhäuser. Das verstehen wir unter dem Betrieb kritischer Infrastruktur.

Wir wissen, dass wir in einem Wachstumsmarkt tätig sind. Durch unsere Unabhängigkeit wird sich unser Marktpotential von weltweit 240 Milliarden US$ vor dem Spin-off auf nunmehr 510 Milliarden US$ bis 2024 mehr als verdoppeln. Ab dem heutigen ersten Tag der Unabhängigkeit erschließen sich uns neue adressierbare Märkte in einer Höhe von 175 Milliarden US$.

Und die Thematik ist für jeden offensichtlich: Es fehlt den Unternehmen an Personal, an IT-Experten und die, die sie haben, sollten sie auf ihre digitale Transformation konzentrieren. Wir als Kyndryl können unsere Expertise für den Betrieb kritischer Infrastrukturen unseren deutschen Kunden zur Verfügung stellen und dabei auf unser globales Netzwerk von mehr als 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit zurückgreifen. Gerade für uns als Exportweltmeister Deutschland sind diese Fähigkeiten von Kyndryl wichtig. Beispielsweise unterstützen wir einen gerade gewonnen Kunden in 17 Ländern weltweit. Über solche Möglichkeiten und Angebote verfügen nur sehr wenige IT Services-Dienstleister.

Ein Startup mit flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen

Doch warum ist die gerade gewonnene Unabhängigkeit so wichtig? Durch das eigenständige Unternehmen Kyndryl haben wir jetzt mehr unternehmerische Freiheit und einen klaren Auftrag: unseren Kunden die besten Lösungen zu bieten. Dies unterstützen wir dadurch, dass wir unsere Entscheidungswege deutlich verkürzen und Management- und Entscheidungswege. Bei Kyndryl gibt es nur die Zentrale in New York und die Märkte.

Genau dieser Aspekt ist mir eine Herzensangelegenheit, die ich täglich von meinen Kolleginnen und Kollegen einfordere. Stellt den Kunden in den Mittelpunkt, übernehmt Verantwortung, entscheidet, agiert wie in einem Startup-Unternehmen, einem Startup mit flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungen. Das ist unsere Mission. Das ist notwendig, damit unsere Kunden erfolgreich sind.

Die gesamte Organisation ist darauf ausgerichtet. Und wir können wie schon erwähnt nun neue Partnerschaften und Allianzen mit Technologieprovidern und natürlich auch Anwendungsberatungsunternehmen schließen und leben. Damit unterstützen wir unsere Kunden anbieterunabhängig mit denjenigen Lösungen, welche für sie jeweils am besten passen.

Unsere Expertinnen und Experten sind unser Kapital

Deutschland ist einer unserer zehn Kernmärkte. Seit Jahren unterstützen wir die deutsche Industrie, nicht nur DAX Unternehmen, sondern auch den Mittelstand und Hidden Champions mit unseren Services. Unsere Kunden sind darauf angewiesen, dass ihre kritischen Infrastrukturen weltweit funktionieren. Unsere Services sind deshalb in mehr als 60 Ländern verfügbar. Hier in Deutschland unterhalten wir neun Lokationen mit über 1.000 Mitarbeitern – und wir stellen ein. Natürlich greifen wir auf die Hilfe unserer Kolleginnen und Kollegen in den Service Centern weltweit und in Europa zurück. Über 3.000 Mitarbeiter aus diesen Centern arbeiten für deutsche Kunden. Unser Kyndryl Team, unsere Expertinnen und Experten sind unser Kapital, das Herz von Kyndryl. Ja, wir sind ein Startup, aber ein Startup mit deutlich mehr als 10.000 Jahren Berufserfahrung allein in Deutschland. Die Kolleginnen und Kollegen sind hier mehr als 50 Jahre aktiv und wir sehen uns als wichtigen Bestandteil der deutschen Wirtschaft.

Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben. Heute am 5. November oder besser gestern Abend am 4. November gab es Grund zu feiern. Fordern Sie uns! Kommen Sie auf uns zu, sprechen Sie mit uns, lassen Sie uns gemeinsam die digitale Transformation Ihres Unternehmens und der deutschen Wirtschaft und Verwaltung voran bringen. Wir stehen Ihnen gerne als Sparring-Partner und IT-Dienstleister zur Seite. Packen wir es gemeinsam an.

Ihr Markus Koerner

Markus Koerner 
Markus Koerner 

Markus Koerner ist seit September 2021 Präsident von Kyndryl Deutschland.

Er war davor General Manager von IBM Global Technology Services in Deutschland, Österreich und der Schweiz und Mitglied der Geschäftsführung der IBM Deutschland. Markus Koerner hat fast zwei Jahrzehnte lang nachhaltige digitale Dienstleistungen für Kunden entwickelt und ist Experte für Technologielösungen in den verschiedenen Industrien mit deren wachsenden Bedürfnissen an die IT-Infrastruktur. Dabei verantwortete er die Integration neuester Technologien aus den IBM Forschungs- und Entwicklungslabors, um Kunden die Anwendung modernster IT-Lösungen zu ermöglichen.

Markus Koerner kam 2002 im Rahmen der Price Waterhouse Coopers Akquisition zur IBM und hatte mehrere Vertriebspositionen mit einem starken Fokus auf Banken und Versicherungen als auch Führungsrollen im Service-Geschäft und Europafunktionen der IBM inne. Er hält einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre.

Lünendonk-Studie: Verschobene IT Projekte werden in 2022 nachgeholt

Die neue Lünendonk-Studie 2021 „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ ist ab sofort unter www.luenendonk.de erhältlich. Demnach rechnen nahezu alle (98 Prozent) der von Lünendonk befragten IT-Dienstleister mit im Durchschnitte 11,2 Prozent höheren Umsätzen im Jahr 2021. Der digitale Arbeitsplatz sowie der Auf- und Ausbau von digitalen Geschäftsmodellen stehen im Fokus. Investitionsschwerpunkte für 2021 und 2022 sind demnach IT-Modernisierung, Softwareentwicklung, Cloud-Transformation, Cyber Security, Data Analytics sowie Lösungen für Customer Experience Management.

SAP Modernisierung ist dabei ein besonderer Schwerpunkt in Deutschland. Mario Zillmann, Studienautor und Partner der Lünendonk & Hossenfelder GmbH sagt: „2020 sind viele Digitalisierungs- und IT-Projekte verschoben worden, die nun nachgeholt werden müssen. So steht beispielsweise bei SAP-Kunden die Umstellung auf das neue Produkt S/4HANA an.“