Managed SAP – Welche Unterstützung benötigen Unternehmen auf dem Weg in die Cloud?

Unternehmen in Deutschland beschäftigen sich mit der Frage der Migration von SAP-Anwendungen in die Cloud. Eine gewisse Skepsis und einige Hürden sind vorhanden, auch wenn die Vorteile eines Wegs in die Cloud vielfältig sind, wie wir in einem ersten Beitrag zum Thema Managed SAP in der Cloud behandelt haben.

In diesem zweiten Gespräch steigt Stefan Pfeiffer tiefer in Angebote, Fähigkeiten und Assets von Kyndryl ein. Er spricht dazu mit dem Experten Christian Markus, Senior Managing Consultant und Technical Presales Architect bei Kyndryl in Deutschland:

Managed SAP bei Kyndryl Deutschland

  • Wie unterstützt Kyndryl seine Kunden bei dem großen Projekt, mit SAP und anderen Anwendungen in die Cloud zu ziehen?
  • Was macht Kyndryl besonders? Warum sollten Unternehmen mit Kyndryl den Weg in die Cloud gehen?
  • Wie stellt Kyndryl die Service-Qualität sicher?
  • Wie unterstützt Kyndryl seine Kunden bei der Migration von SAP-Anwendungen in die Cloud?

Das Fazit lautet: Unternehmen sollten die Option überprüfen, den SAP-Betrieb und gegebenenfalls auch die Bereitstellung der Infrastruktur an einen externen Partner abzugeben, um sich und die eigenen Mitarbeiter auf die anstehende S4/HANA-Migration zu fokussieren.

Christian Markus
Christian Markus

Christian Markus ist Senior Managing Consultant for Managed Cloud, SAP und Oracle bei Kyndryl Deutschland.

Green IT: Ressourcenschonende, nachhaltige Cloud Computing-Lösungen in Unternehmen

Nachhaltigkeit steht im Zentrum gesellschaftlicher sowie politischer Diskussionen. Es wird zunehmend zur Pflicht für Unternehmen sich mit ressourcenschonenden Geschäftsmodellen auseinander zu setzen – sei es aufgrund von Forderungen innerhalb von Lieferketten, moralischen Überlegungen, Wettbewerbsdifferenzierung oder auch absehbaren regulatorischen Auflagen und Gesetzen. Das geschieht mitunter auch vor dem Hintergrund einer neuen Regierung in Deutschland1 oder des 2019 verabschiedeten Green Deal der EU2. Daraus leitet sich für die Wirtschaft ab, dass die CO2-Bilanz von Unternehmen ein immer wichtigerer Wettbewerbsfaktor am Markt ist. Das Interesse „grün zu werden“, steht daher stärker denn je zentral im Fokus.

Neben der Ausstattung der Arbeitsplätze oder den unternehmenseigenen Infrastrukturen trägt auch das Internet mitunter durch den teilweise unsauberen Energieverbrauch enorm zu den CO2-Emissionen bei3. Viele Unternehmen haben genau diese Herausforderung bemerkt und verfolgen daher die Intension, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und klimafreundlich oder gar klimaneutral zu wirtschaften.

Lokale On-Premise-Server sind weniger nachhaltig

Ausgerechnet der Einsatz lokaler (on-premise) Server zum Verwalten und Analysieren von Daten erhöht die CO2-Emissionen erheblich. Dabei kann man beobachten, dass viele lokale  Server, ausgelegt auf den PUE-Wert (Power Usage Effectiveness), selten voll ausgelastet sind und viel Energie verbrauchen. Der PUE-Wert gibt an, wie effektiv die zugeführte Energie in einem Rechenzentrum verbraucht wird4. Denn der Energieverbrauch eines Servers wird nicht nur durch seine Auslastung bestimmt, sondern ganz wesentlich auch durch seinen Betrieb und die damit verbundenen Betriebsverfahren. Wer viele Server besitzt, diese aber nicht voll umfassend nutzen kann, verbraucht mehr Energie als eigentlich notwendig wäre5.

Denn IT-Infrastrukturen (u. a. Netzwerkkomponenten, Storage oder Server) benötigen sowohl Strom für den Betrieb als auch für die Abführung der beim Betrieb entstehenden Abwärme in Form von Lüftung und Kühlung. Außerdem reagieren Server empfindlich auf Temperaturschwankungen, was eine Klimatisierung mit hohem Energieverbrauch unumgänglich macht. Weiterhin findet man immer wieder energieintensive Verfahren (z. B. beim Brandschutz), die mittlerweile nur noch bedingt zukunftsfähig sind. Zusammenfassend kann man feststellen, dass IT-Infrastrukturen enorme Mengen an Ausrüstung sowie kontinuierliche Stromversorgung und Kühlung erfordern, um ein einzelnes Unternehmen mit IT-Services zu versorgen. Dieser Energie- und Ausrüstungsaufwand bindet Kapital und es ist fraglich, ob diese Form der Leistungserbringung wirtschaftlich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit ist.

Energie sparen mit Cloud Services

Cloud Computing kann bei der Veränderung des eigenen CO2-Footprint unterstützen. In einer Studie der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit dem deutschen Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit sowie dem österreichischen Umweltbundesamt wird aufgezeigt, wie Unternehmen durch eine geeignete digitale Infrastruktur, umweltfreundlichen und effizienten Cloud-Diensten sowie energieeffizienten Rechenzentren ressourcenschonender wirtschaften können. In der Studie wird auch diskutiert, wie die Förderung des Einsatzes nativer Cloud-Optimierungstools für das Cloud Computing zur Nachhaltigkeit beitragen. Durch die Migration in eine öffentliche Cloud, welche nicht durch das Unternehmen, sondern einen Service-Dienstleister betrieben wird, bieten sich eine Reihe von Potentialen.

Zum Beispiel ein Zugewinn an Flexibilität und Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Kostenreduktion für Energie, Wartung sowie Flächenverbrauch. Cloud Datacenter bieten aufgrund ihrer Größenvorteile (Economies of Scale) eine effizientere Nutzung der eingesetzten Ressourcen. Es werden also nicht nur weniger Server verwendet, sondern diese auch effizienter betrieben, was insbesondere die Möglichkeit bietet, den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens zu verringern, ohne auf Leistungen verzichten zu müssen. Das bedeutet, es werden Serverkapazitäten je nach Workload und Anwendungsfall des Unternehmens ausgewählt, zugewiesen und genutzt sowie unterschieden nach Datenverarbeitung, Speicher, Datenbank und Netzwerkanbindung6.

Unternehmen, die mit Cloud-Dienstleistern wie IBM oder Google kooperieren, eröffnen sich das Potential eigene Ressourcen einzusparen und effektiver zu arbeiten. Darüber hinaus ist „Green IT“ für Unternehmen auch nicht-monetär ein Vorteil, da dies dem Branding der eigenen Marke inbesondere in der aktuellen Zeit zuträglich ist und hilft das eigene Geschäftsmodell zukunftssicherer zu machen7.

Um einen besseren Überblick zu geben, werden im folgenden die Vorteile von Cloud Computing im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit grafisch dargestellt.

Auszug – Cloud Computing Vorteile im Rahmen von Green IT
Quelle: Kyndryl (2021)

Green Cloud Computing für die Zukunft

Die Cloud und das damit verbundene Betriebsmodell verändert die IT-Branche in vielerlei Hinsicht. Aus unserer täglichen Arbeit mit unterschiedlichsten Kunden und den damit verbundenen Erfahrungen kann man sagen, dass einerseits das Potential der IT auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen weder vollständig identifiziert, adressiert oder gar realisiert ist. Ein erster Schritt hin zu einem umweltverträglichen Unternehmen könnte aber in der Nutzung von Cloud-Dienstleisten liegen. Insbesondere wenn diese dem Thema Nachhaltigkeit Priorität einräumen und beispielsweise transparent darstellen, welche CO2-Belastung die Erbringung der IT-Services bedeutet. Das umfasst Anbieter, die unter anderem erneuerbare Energiequellen nutzen, energieeffiziente Hard- und Software für Rechenzentren entwickeln, energieeffiziente Beleuchtung und Stromversorgung in Gebäude integrieren oder intelligente Kühlsysteme zur Abfallvermeidung entwickeln. Man sieht somit in der Nutzung von Cloud Computing erhebliches Potential, das sich positiv auf die Jahresbilanz, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Veränderungen und auch auf die Umwelt auswirkt8.

Globale Cloud Service-Dienstleister, wie auch Kyndryl, teilen sich die Verantwortung, ihre Kunden auf ihrem Weg hin zu einer umweltfreundlicheren Cloud zu unterstützen, indem sie möglichst nachhaltige Systeme auswählen, die zur Workload passenden Fähigkeiten bereitstellen und Cloud-Transformationsinitiativen in Unternehmen beschleunigen. So können die identifizierten Mehrwerte früher realisiert werden. Darüber hinaus hat Kyndryl im Bereich der energieeffizienten CO2-Optimierung von Rechenzentren – insbesondere der nachhaltigen Nutzung der von den Servern erzeugten Abwärme – schon einige Kundenprojekte erfolgreich durchgeführt. Kyndryl unterstützt als unabhängiger Technologiepartner in allen Schritten der Beratung, Implementierung sowie des Betriebs von ganzheitlichen, energieeffizienten und nachhaltigen Lösungen im Kontext des IT Infrastrukturmanagements sowie des Green Cloud Computing.

Quellen:

1 Tagesschau.de (2021): Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP. Verfügbar unter: https://www.tagesschau.de/koalitionsvertrag-147.pdf. [Besucht am 06.12.2021]

2 Europäische Kommission (2019): Mitteilung der Kommission an das europäische Parlament, den europäischen Rat, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/european-green-deal-communication_de.pdf. [Besucht am 06.12.2021]

3 ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen (2021): Energiebedarf und Digitalisierung. Verfügbar unter: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/energiebedarf-und-digitalisierung-100.html. [Besucht am 06.12.2021]

4 The Green Grid (2014): PUE: A comprehensive examination of the metric. Verfügbar unter: https://www.thegreengrid.org/en/resources/library-and-tools/20-PUE%3A-A-Comprehensive-Examination-of-the-Metric [Besucht am 06.12.2021]

5 Technogroup IT-Service GmbH (2021): Studie zeigt: Mehr Optimierungs-Potential in der IT als vermutet. Verfügbar unter: https://www.technogroup.com/studie-zeigt-mehr-optimierungs-potential-in-der-it-als-vermutet/. [Besucht am 06.12.2021]

6 und 8 Montevecchi, F., Stickler, T., Hintemann, R., Hinterholzer, S. (2020). Energy-efficient Cloud Computing Technologies and Policies for an Eco-friendly Cloud Market. Final Study Report. Vienna. Verfügbar unter: https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/bf276684-32bd-11eb-b27b-01aa75ed71a1/language-en/format-PDF/source-183168542. [Besucht am 06.12.2021]

7 Deloitte (2021): Verantwortung als Chance: das Transformationsthema Sustainability. Verfügbar unter: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/risk/articles/sustainability-transformation.html. [Besucht am 06.12.2021]

Leonie Hermann
Leonie Hermann

Leonie Hermann arbeitet als IT Consultant im Bereich Cloud Advisory bei Kyndryl Deutschland. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Themen Cloud Migration, Cloud Infrastructure sowie Hybrid- und Multi-Cloud. In Kundenprojekten liegt ihr Fokus mitunter auf den Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, um den Kunden dabei zu unterstützen digital, nachhaltig sowie wirtschaftlich zu handeln.

Multi-Cloud: Darf es ein bisschen Cloud mehr sein?

Nach dem aktuellen State of the Cloud-Report von Flexera nutzen 92% der großen Unternehmen in Europa ein Multi-Cloud-Modell. Ein Großteil davon kombiniert eine oder mehrere Private Clouds mit einer oder mehreren Public Clouds zu einer Hybrid Cloud.

Diese große Zahl mag zunächst überraschen. Man muss aber bedenken, dass eine Multi-Cloud-Landschaft entweder strategisch gewollt ist, aber auch die Folge  einer fehlenden oder unklaren Cloud-Strategie sein kann. In letzterem Fall hat sich ein Teil der IT-Landschaft eines Unternehmens in eine Art Shadow IT verwandelt. Hier definieren und implementieren Fachbereiche ihre eigenen Standards. Die unternehmenseigene IT erscheint ihnen zu langsam oder nicht flexibel genug.

Multi-Cloud kann auch das Ergebnis eines Unternehmenszusammenschlusses sein. Oder es resultiert aus der Einführung von Office 365 und damit verbunden Azure, während bereits Anwendungen in AWS oder GCP laufen.

Im Schnitt nutzen die Unternehmen Cloud Services von zwei bis drei Anbietern.

Da Multi-Cloud die Realität für die meisten Unternehmen ist, ist es umso wichtiger, sich die Vorteile wie auch die Herausforderungen eines solchen Modells bewusst zu machen.

Häufig genannte Vorteile einer Multi-Cloud sind

  • Verringerter Vendor Lock-in, da man sich unabhängiger von einzelnen Anbietern macht.
  • Kostenvorteile oder erweiterte Funktionalität, da man Services dort beziehen kann, wo sie am günstigsten sind oder wo man die besten Features erhält.
  • Katastrophen-Vorsorge, für den Fall, dass ein Provider ausfällt.
  • Datenschutz, wenn Unternehmen aus Gründen der Datensicherheit Daten in gewissen Regionen halten müssen, die manche Cloud Anbieter unterstützen, andere jedoch nicht.

Der Vorteil der Kostenersparnis in einem Multi-Cloud-Modell lässt sich vermutlich am schwierigsten realisieren. Immerhin benötigt man redundante Netzwerk-Anbindungen an nicht mehr nur eine, sondern zwei oder mehrere Clouds. Zusätzlich benötigt man eventuell noch Anbindungen der Clouds untereinander. Die Aufteilung von Workloads auf mehrere Clouds führt unter Umständen zu schlechteren volumenabhängigen Rabattstaffeln bei den Anbietern. Der Entwicklungs- und Testaufwand steigt, da selbst bei der Verwendung von Terraform und Container-Technologien die Anwendungen auf die Gegebenheiten der unterschiedlichen Clouds angepasst oder zumindest parametrisiert werden müssen.

Aber auch die Katastrophen-Vorsorge in einem Multi-Cloud-Modell sollte man sich genauer betrachten.  Alle Cloud-Dienstleister bieten Disaster Recovery Szenarien innerhalb ihres eigenen Cloud-Verbundes. Diese sind erprobt und werden durch Technologie und Automatisierung unterstützt. Die Anbieter achten sorgfältig darauf, dass die verschiedenen Regionen keine gemeinsamen Komponenten teilen, die zum „Single Point of Failure“ werden können. In einem Multi-Cloud-Modell liegt diese Verantwortung dagegen beim Anwender. Es nützt wenig, seine Anwendung auf zwei Provider zu verteilen, wenn diese sich mit ihren Cloud-Rechenzentren im gleichen Gebäude angesiedelt haben oder eine gemeinsame externe Komponente, z.B. einen Netzwerk-Kontenpunkt, teilen.

Multi-Cloud-Modelle bringen aber noch weitere Herausforderungen mit sich

  • Erhöhte Anforderungen an die Mitarbeiter und damit Schulungsbedarf, um die Technologien mehrere Cloud-Anbieter bedienen zu können.
  • Management Overhead um Standards, Richtlinien und Verfahren für mehrere Cloud Anbieter zu erstellen und zu pflegen.
  • Die Verteilung von Daten auf mehrere Anbieter erhöht die potenzielle Angriffsfläche.
  • Funktionseinschränkungen, wenn man zur Vermeidung des Vendors lock-ins nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner an Funktionalität zwischen den Anbietern setzt.
  • Erhöhter Administrationsaufwand, Komplexität und Schnittstellen bei der Verwendung von operationalen Tools unterschiedlicher Anbieter.

Um die Herausforderungen zu meistern, bietet sich die Nutzung von entsprechenden Management-Plattformen an, die eine Abstraktionsschicht über die verschiedenen Clouds legen. Darüber hinaus können Service Provider (MSP), die sich auf Cloud Workload spezialisiert haben, bei der Umsetzung der Cloud-Strategie helfen.

Thomas Petzke
Thomas Petzke

Senior Solutions Architect, Kyndryl Deutschland GmbH